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Goodbye, Sigmund Jähn

Goodbye Sigmund Jähn, ich habe dich nicht (wirklich) gekannt, auch wenn ich
dir bei deinem Besuch im Zeiss-Kombinat, von dem die Multispektral-Kamera
für deine Rakete stammte, begeistert zugejubelt hatte. Vielleicht erinnerst
du dich, ich stand in Reihe zehn. Der Junge mit den Pickeln, für den du viel
mehr warst als irgendeine Marionette im Kalten Krieg. Als die DDR gegangen
ist, wärst du vielleicht wirklich eine bedächtige Übergangsalternative zum
verpeilten, zähnefletschenden Krenz gewesen. Wer weiß. Aber als die DDR
gegangen ist und ich dir als Mensch endlich hätte begegnen können, da war
ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Irgendwie gehörtest du für mich
damals auch noch zum alten System, obwohl du längst von deinem westdeutschen
Weltall-Kollegen, mit dem du den Mauerfall in einem Hotelzimmer in Saudi
Arabien erleben musstest, zum Vermittler zwischen Raumfahrt Ost und West
vermittelt wurdest.

Von deiner Heldentat hörte ich zum ersten Mal aus dem Radio, während ich bei
einem Ferienjob in einem Thüringer Pharmabetrieb, in dem auch meine Eltern
ihr Bestes gaben, in einem Speicher auf irgendwelchen Matten herumlungerte.
Durch ein Fenster beobachtete ich gerade die reinrassigen Versuchshunde der
Forschungsabteilung in ihrem Gehege, die wohl früher oder später das gleiche
Schicksal wie den Raumfahrt-Hund Laika ereilt haben dürfte.

Dein Tod kam nun so plötzlich, dass es mich sehr irritiert. Obwohl noch vor
gut einem Jahr die Zonen-Jana im linksliberalen Wochenblatt anlässlich
deines 40. Raumfahrtjubiläums von deinem sportlichen Rentnerleben mit
täglichem Schwimmen am hausangrenzenden See in Strausberg berichtete und von
deinem munteren Blick.

Was mich noch mehr irritiert, ist die plötzliche Anteilnahme von all jenen
Politikern, die es bisher abgelehnt hatten, sich mit dir zu zeigen, dir
anlässlich deines 80. Geburtstages bzw. deines 40. Raumfahrt-Jubiläums
öffentlich die Hand zu schütteln oder wenigstens einen Glückwunsch zu
senden. Für dich ist das nie wichtig gewesen, ich weiß. Aber plötzlich sind
sie alle voll des Lobes über deine Leistungen, deine Bescheidenheit und
deine friedlich inspirierte Vermittlerrolle in der Nachwendezeit. Das wirkt
so unehrlich, wie es auch gemeint ist. Selbst die führende deutsche
Yellowpress beißt sich beim Bericht über deinen Tod selbst auf die Lippen,
statt in üblicher Manier zu verkünden: „Er ist wieder oben“. Und mir wird
klar, dass dich die in ihrer Angst vor Machtverlust bisher panisch-ziellos
herumrotierenden Groko-Funktionäre wieder nur benutzen, weil sie gerade
dabei sind, sich dem AfD-wählenden Ostvolk, für das du immer der stille Held
geblieben bist, anzubiedern. Gehört dein Tod gar in eine hektisch-irrational
und viel zu spät wirksame Endzeit-Strategie der längst absterbenden
„Volks“-Parteien? Gibt es am Ende vielleicht eine richtige Todesliste, mit
der sie ihr plötzliches heuchlerisches Ostverständnis demonstrieren und
gleichzeitig die politischen Gegner zumindest aus der linken Ecke (Mund)-Tot
machen zu können glauben? Wer wird vor der Wahl in Thüringen, bei der sie
damit noch etwas an Macht retten könnten, als nächstes dran glauben müssen?
Vorsicht Gregor! Und wäre nicht auch der Tod von ein paar ost-zonigen
Fernsehstars geeignet, um sich über heuchlerische Lobreden wieder in die
Seele des nervigen ostdeutschen Wählerpotenzials einzuschleimen, statt
dieses wirklich ernst zu nehmen und zu verstehen? Vorsicht auch Maschine!
Mit der politischen Verunglimpfung von Fernsehlieblingen wie dem
Kabarettisten Uwe Steimle, der den politisch Etablierten offen den
humoristischen Kampf angesagt hat, scheint es ja nicht funktioniert zu
haben. Und ein endgültiger politischer Todesstoß der osterfahrenen
Langzeitkanzlerin würde auch nicht so richtig in dieses Konzept passen.

Goodbye Sigmund Jähn! Ich habe dich oft gesehn. Vielleicht erinnerst du
dich, ich stand in Reihe zehn. Der Junge mit den Pickeln, für den du immer
noch viel mehr bist, als irgendeine Marionette einer überlebten politische
Kaste. Du hast die unmenschliche, tonnenschwere Last auf deinen Körper beim
Start deiner Rakete überstanden. Doch vielleicht warst du zu schwach für den
Orkan, den die politische „Elite“ für ihren Machterhalt gerade erst
entfacht. So gern hätte ich dich gerettet. Doch ich kam leider wieder einmal
viel zu spät…

IM Volkswirt

 

 


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