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"Der Kommunismus soll nicht Askese bringen, sondern Lebensfreude, Lebenskraft, auch durch erfülltes Liebesleben."
Liebe Leserin, lieber Leser,
diese Aussage kam mir dieser Tage wieder in den Sinn, als ich eine
Aussage einer Freidenkerin zu Gehör bekam. Diese beklagte andersartige
Liebesauffassungen als frauenfeindlich und als gar dem Freidenkertum
widersprechend.
Wieder einmal, und das leider auch in unserern Kreisen, wird so die
eigene Norm als die allgemeingültige gehalten, werden die Betroffenen
nicht gefragt und generell wird damit Männern Böses unterstellt. Aber:
zu jeder Beziehung gehören nun mal zwei, Mann UND Frau, oder sogar drei
und mehr...
Denken wir da nur an einen der Gründerväter des
deutschen Freidenkertums, an Albert Dulk (1819-1884), der mit zwei,
zeitweilig sogar mit drei Frauen in FREIER Lebensgemeinschaft lebte.
Es gibt viele andere Spielarten der Sexualität, des
Liebesspiels, als nur die von der katholischen Kirche für einzig
möglich gehaltene. Und... gerade heute formulieren selbstbewußte und
unabhängige Frauen Wünsche, die biedere Gemüter/Spießbürger für
anormal, krank oder männlicher Phantasie entsprungen... Vorurteile und
Klischees statt Toleranz und Achtung des freien Willens anderer.
Lenin war da schon viel weiter. Und ich halte es
mit dem US-amerikanischen Schriftsteller James Baldwin, der 1962 in
seinem Roman "Eine andere Welt" es sinngemäß so formulierte: Es ist
egal, wen man liebt, wie man liebt, wo und wann man liebt, sondern nur
DASS man liebt."
Und somit sollte jedes von gleichberechtigten
Menschen freiwillig eingegange Lebens- und Liebesverhältnis, das auf
der Achtung des oder der anderen beruht, als normal und legitim
angesehen werden, und vor allem als private Angelegenheit der
jeweiligen Menschen.
Einen besinnlichen und vielleicht auch sehr sinnlichen Sonntag wünscht Ihnen
Ihr Siegfried R. Krebs
11. Oktober 2008
Das Wort zum Sonntag vom 3. Oktober 2008
Ein LAIENhaftes Buch aus Frankreich:
„Wir brauchen keinen Gott ...“ –
Aufforderung zum Laizismus als Lehre
aus der Geschichte
STARKE Aufregung!
Aus Frankreich kam ein Buch von Michael
Onfray zu uns, der damit bereits atheistisch denkende Menschen
bestärken will, ja sie in seinem letzten Kapitel sogar
auffordert, „einen militanten atheistischen Laizismus zu
betreiben“. Das ist starker Tobak in bundesdeutscher Demokratie
inklusive ihrer nicht vom Staat getrennten Kirche. Selbstredend wird
das Buch in der deutschsprachigen Presse wie in der Frankfurter
Allgemeine Zeitung oder DIE ZEIT verrissen als mit „zahllosen
Lese-, Auslegungs- und Sachfehler(n)“ behaftet, als „‘schlecht
kopierte‘ Manier der materialistischen Aufklärer“, als im
„Mangel an gedanklicher Substanz“ stehend. (1) Nur wundert die
KritiKastoren das „breite Echo“, das dieses Buch in der
französischen Öffentlichkeit tatsächlich ausgelöst
hat.
Was für ein WUNDER!
Da wollen breite Kreise der Franzosen
doch tatsächlich ihren laizistischen Staat verteidigen. Wollen
den Atheismus nicht als weitere Variante neben die anderen Religionen
stellen. Wollen nicht vorherrschend eine christliche Moral übernehmen
müssen. Wollen nicht dafür dankbar sein müssen, dass
Atheisten dank der Religionsfreiheit in dieser Welt überhaupt
noch relativ geduldet werden.
Wo doch heute kirchenkritische
Vertreter kaum mehr Raum finden in den öffentlichen Medien, auf
Betreiben der Kirche gezielt ausgeladen, diskriminiert und behindert
werden. Und die Fernsehbilder und Radiosender pausenlos vom
christlich-katholischen Papst aus Deutschland sprechen, in
Frankreich, in Lourdes.
HEUTE haben die Religionen in der BRD
eine Sonderstellung vor Weltanschauungen wie dem Atheismus.
Religionsberichterstattung beherrscht die Medien, die Kirche herrscht
über die Armen mit dem bundesdeutsch-verordneten Diakoniesystem
oder christlichen Jugendwerkdörfern oder Behindertenwerkstätten.
Dabei wollen die Kirchen noch mehr, wollen gezielt „religiöse
Themen VERMITTELT haben“ und im Sinne jedes Missions-Unternehmens
sowieso ganz christliche Medien und Schulen. Besonders aggressiv die
Forderung von „Religionspädagogen nach Gleichberechtigung des
Faches Religion“, denn in Ostdeutschland gibt es eine sinkende Zahl
christlicher Schüler. (2) Wäre es dabei nicht erheblich
demokratischer, wenn alle Schüler ein Fach „säkulare
Ethik“ belegen würden und die Religionspädagogen dort
unterrichten, wo sie herkommen: in Ihren jeweiligen Kirchen und
Religionsgemeinschaften? Aber! In Ostdeutschland wurden mit dem
Zugriff des bürgerlichen „Grundgesetzes“ der BRD die
Kirchen-Pfründe aus der Klamottenkiste der Weltgeschichte wieder
hervorgeholt, Theologen-Köpfe aus ihrem laizistischen DDR-Schlaf
erlöst und als 1989er BETON gekröpft zementiert.
Und darum braucht es wohl ein solches
Buch, auch und erst recht hier. Damit Aufklärung und Philosophie
in Deutschland und gerade in diesem Land Thüringen eine Zukunft
haben und mit ihr die Menschen mit Vernunft und Verstand in freiem
Denken.
Einen selbstbewussten und guten Sonntag
wünscht
Ihr *Abel Niemand*
DAS BUCH:
Michel Onfray: Wir brauchen keinen Gott - Warum man jetzt Atheist sein muss
Piper Verlag München 2006, Kartoniert, 319 Seiten, 14,00 EUR
ISBN 3492048528,
WEITERE QUELLEN:
-
Die hier in Auswahl gebrachte
„Mängelliste“ entnahm ich am 29. September 2008 um 11.05
Uhr von: http://www.perlentaucher.de/buch/23619.html
.
-
http://www.abendblatt.de/appl/newsticker2/index.php?channel=pol&frame=&t=1221304966&module=dpa&is=18907018
am 12. September 2008 um 12.00 Uhr.
Das Wort zum Sonntag vom 27. September 2008
Fidel Castro über die bürgerlichen Massenmedien und deren Desinformationen:
"Der
Sozialismus ist schlecht, der Sozialismus ist schlecht, er nimmt dir
das Sorgerecht, er nimmt dir das Haus, er nimmt dir die Frau." und alle
Unwissenden, alle Analphabeten, alle Armen und Ausgebeuteten
wiederholen: "Der Sozialismus ist schlecht, der Sozialismus ist
schlecht" So bringt man den Papageien das Sprechen, den Bären das
Tanzen und den Löwen eine respektvolle Verbeugung bei.
(Neues Deutschland, 20./21.09.2008)
Liebe Leserinnen und Leser,
am morgigen Sonntag geht es in der Bundesrepublik Deutschland durchaus
spannend zu: Landtagswahlen in Bayern, Kommunalwahlen in Brandenburg,
OB-Stichwahl in Schwerin.
Politikverdrossenheit herrscht allenthalben in deutschen
Landen, von Mecklenburg im Norden bis Bayern im Süden.
Politikverdrossenheit meint in erster Linie den Unmut breitester Kreise
über die bürgerlichen Politiker, die sogenannten "demokratischen
Parteien". Einerseits (nicht ernst gemeinte) Wahlversprechen
ohnegleichen (wie die Wiedereinführung der Pendlerpauschale),
andererseits eine Politik immer weiter weg von den Interessen der
Bevölkerungsmehrheit (Krieg gegen die Arbeitslosen im Inland, Krieg im
Ausland gegen andere Völker).
Doch Mißmut, Unmut, Straßendemos u.a. verpuffen leider
noch zu oft. Entweder wird nicht mehr zur Wahlurne gegangen, zum
anderen wird doch wieder als altbekannte Kartell CDUCSUFDPSPDGRÜNE
gewählt.
Die uralte antikommunistische Propaganda, die Fidel
Castro meint, sie wirkt eben nach wie vor. Sie wirkt stärker als eigene
Erfahrung, stärker als der Verstand. Leider. Und leider verstehen es
Linke und DIE LINKE nach wie vor nicht, die Herzen der Armen, der
Ausgebeuteten, der Ausgegrenzten anzusprechen, diese für sich zu
gewinnen. Und so schlägt der landesweite Unmut über die bürgerliche
Politik leider nach wie vor nicht in ausreichenden Wählerstimmen für
wirklich linke politische Kräfte um.
Es ist also fraglich, ob morgen erstmals in der
bundesdeutschen Geschichte das OB-Amt einer Landeshauptstadt an DIE
LINKE gehen wird.
Sicher ist wohl dagegen, daß DIE LINKE ihre kommunalen Positionen in Brandenburg halten dürfte.
Fraglich ist der Einzug DER LINKEN in den bayerischen Landtag. Sollte
dieser jedoch gelingen, dann jedenfalls ist ein deutliches Zeichen für
den Umbruch der bundesdeutschen politischen Landschaft gesetzt!
Ich wünsche allen Kandidaten DER LINKEN einen vollen Erfolg!
Und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, einen besinnlichen Sonntag,
Ihr Siegfried R. Krebs
Das Wort zum Sonntag vom 20. September 2008
Liebe Leserinnen und Leser,
heute will ich Sie einmal nicht mit einem Ereignis aus der Politik
konfrontieren, sondern mit unserer Sprache. Sicher haben sie sich auch
schon oft über die Sprach-Verhunzer geärgert, die das Deutsche zu
Denglisch verkommen lassen. Aber auch im Deutschen selbst müssen wir
aufpassen, dass sich nicht Dinge einschleichen, die der Sprachqualität
abträglich sind, besonders dann, wenn wir sprechen. Die folgende Glosse
soll Ihnen zeigen, was ich meine. Am besten ist es, Sie lesen diese
laut vor.
Em – mein Name ist Frank – ä – Füllwort
Also: Seit Jahrhunderten gibt es mich, das – em- Füllwort und auch die
– ä - Füllsilbe, die, wie ihre Namen schon sagen, die deutsche Sprache
anreichern, auffüllen sollen. In Romanen finden wir dafür sozusagen
allerhand Beispiele.
Aalso – damit pflegte Frieda Brenten in Willi Bredels Trilogie „Die
Väter“, „Die Söhne“, „Die Enkel“ ihre resoluten Sätze und so
einzuleiten.
Die Rede des Biologielehrers Doktor Zickel mit dem Spitznamen
„Meck-meck“ in Dieter Nolls „Die Abenteuer des Werner Holt“ war „voller
Eigenheiten“; er sagte des öfteren „ni wahr“: „Wo ist – ni wahr – das
Klassenbuch?“
Und „immer mal wieder“ hatte „traun fürwahr“ der Gymnasiallehrer Raat
in „Der blaue Engel“ von Heinrich Mann – Professor Unrat genannt –
Schwierigkeiten mit seinen widerspenstigen Schülern.
Soweit – em – die Literatur. Aber wir beglücken uns halt auch in der
Alltagssprache mit allerhand – ä – Füllwörtern. Sie sind sozusagen
Ausdruck von Verlegenheit und Gedankenlosigkeit oder so. Einen – em –
Informationsgehalt besitzen sie nicht.
Also: damit und einer langen Pause danach leiten Schülerinnen und
Schüler mündliche Kontrollen ein, wenn sie aus lauter Nichtwissen erst
später zur Sache kommen können. Das ist halt so, ganz gleich, ob der
Kontrollierende hier schon Halt gebietet oder den Delinquenten noch
eine – ä – Zeitlang schmoren lässt.
Das – ä – ist jedoch aus der Mode gekommen. Es wurde mittlerweile von –
em - abgelöst. Was dem US-Amerikaner sein einleitendes – well - , ist
dem jungen Deutschen sein – em – geworden. Nur von Älteren hört man
noch das klangvolle – ä - . Zwischen den „Ä-ern“ und den „Em-ern“
beider Geschlechter liegt inzwischen mindestens eine Generation. Selbst
Rundfunk und Fernsehen bieten kaum noch einen Kommentar oder ein
Interview ohne das gewisse – em - .
Ein Glück, dass wenigstens „ebent“ ausgestorben scheint. Ja, Sie haben
richtig gelesen oder gehört: „eben“ mit einem deutlichen „t“ am Ende.
Vor Jahren war „ebent“ häufiger zweifelhafter Reichtum des Redeflusses
von Studentinnen.
Als Fazit: Em – ich sehe halt ebent sozusagen bessere Möglichkeiten,
als mit – ä - derartigen sprachlichen Missgeburten oder so unsere
ohnehin stark gebeutelte deutsche Sprache zu beglücken.
Liebe Leserinnen und Leser, passen Sie also auf, wie Sie und – ä –
andere sprechen! Ich wünsche Ihnen einen angenehmen, aber auch
nachdenklichen Sonntag.
Dr. Dr. Jan Bretschneider
Das Wort zum Sonntag vom 13. September 2008
„Denk‘ mal frei im Denkmal!“
Liebe Leserinnen und Leser,
am Sonntag, dem 14. September, wird im Land der Tag des Offenen
Denkmals begangen. Es werden Denkmäler „geöffnet“, die sonst
verschlossen sind, Erklärungen und Sonderführungen angeboten.
Archäologische, genauer die bauarchäologisch-kriminalistische
Spurensuche soll dieses Jahr im Mittelpunkt stehen. Daneben gibt es
Initiativen wie jene von Musikern initiierte: „Hör‘ mal im Denkmal“ In
diesem Sinne könnte man auch zu „Schau‘ mal im Denkmal“ aufrufen, wenn
man all die plastischen Kunstwerke heutiger Künstler in alten Gemäuern
aufgestellt betrachten wollte.
Und natürlich „Feier mal im Denkmal“, ob Gottesdienst, Burgruinenfest, Hexenfastnachtstreiben.
Warum also nicht auch das Freie Denken einmal am Tag des Offenen
Denkmals thematisieren? Denk‘ mal, wer was wo wann und welches Objekt
zum erhaltenswerten Denkmal erklärt hat, ob als Wert hoch- ob niedrig
behandelte oder nach bloß politisch-materiellem Wert verdeklariert
bestimmte?
Die menschlich-ideell-selbstbestimmte Leistung, die sich meiner
Meinung nach im wirklich freien Denken, im sich selbst bestimmenden
Leben, äußert, wo hat sie ihre Würdigung an diesem Tag?
Üben wir uns in Würde und freiem Denken. Damit das ein wirklich o f
f e n e r Denkmalstag wird. D e n k ‘ m a l f r e i i m D e n
k m a l . Es gehört uns Allen!
Spurensuche in der Archäologie, das heißt auch und besonders Begegnung
und Auseinandersetzung mit menschlichem Denken und Handeln. Jenem der
Vorfahren, jenem der Archäologen, unserem und jenem in und mit unserer
Gesellschaft.
Nehmen wir unser kulturelles Erbe wahr, die Kirchen und Klöster, die
stehenden, die verfallenen, die verschwundenen und die abgerissenen
Paläste unserer Bundesrepublik Deutschland und unseres Volkes.
Denkt frei und verantwortungsbewusst an das menschliche Leben, die
menschliche Existenz und die menschliche Würde. Von Freidenkern und
religiös-gebundenen Denkern, die wir alle gemeinsam heute am
menschlichen Leben sind.
In diesem Sinne wünsche ich einen aktiven Denk‘-mal-frei-im-Denkmal-Tag und einen schönen Sonntag.
Ihr Abel Niemand
Das Wort zum Sonntag vom 6. September 2008
Im Internet kursierten am Mittwoch Videomitschnitte einer
früheren Rede Palins (der frisch gekürten
US-Vizepräsidentschaftskandidatin für die Republikaner, d.A.) in der
die fünffache Mutter den Irakkrieg als >>Auftrag Gottes<<
bezeichnet. >>Betet für unsere Soldaten... Unsere nationalen
Führer schicken sie in einen Auftrag, der von Gott ist.<<
(Neues Deutschland, 05.09.2008)
Liebe Leserin, lieber Leser,
leben wir zu Beginn des 21. Jahrhunderts, der sogenannten „Postmoderne“
oder 1000 Jahre früher zur Zeit der katholisch-christlichen Kreuzzüge
gegen das islamische und orthodox-christliche Morgenland? Man könnte
angesichts solcher Äußerungen von Sarah Palin letzteres vermuten.
Doch, nein, wir leben im Hier und Heute. In einer Zeit, in welcher
„freiheitliche Demokraten und Menschenrechtler“ aus den USA und dem
übrigen „Westen“ wieder und wieder religiösen Fundamentalismus (und die
Errichtung von „Gottesstaaten“) anprangern. Natürlich den der anderen,
den des Islam (das Ayatollah-Regime). Aber ist dieses ewige Berufen auf
„Gott“ und das Handeln (sprich Kriegführen weltweit) im Namen „Gottes“
durch US-Politiker nicht auch religiöser Fundamentalismus? Ist das
nicht etwa auch ein angestrebter „Gottesstaat“? Denn beruft man sich
auf „Gott“, was scheren dann noch Verfassung, Völker- und Strafrecht?
Schließlich steht doch „Gott“ über allem irdischen...
Und da stellt sich mir schon eine grundsätzliche Frage. Welchen Gott
meinen diese bigotten US-Machtpolitiker eigentlich? Allein diese Frage
würde mir wohl in den USA (in CSU-Bayern sicherlich nicht minder) eine
Anklage wegen „Gotteslästerung“ einbringen. Angeblich meinen sie den
Christen-Gott, den in ihren Augen einzigen und alleinigen Gott. Aber,
so viel ich weiß, beten die Erden-Menschen Tausende von Göttern an...
Ich würde Bush, McCain, Palin u.a. durchaus zustimmen, daß sie im
Namen eines Gottes handeln, wenn sie ehrlicherweise ihren Gott beim
Namen nennen würden: „Maximalprofit für die Großkapitalisten der sich
selbst so sehenden weißen Herrenrasse“!
Lassen
wir uns nicht das Hirn vernebeln. Bleiben wir freie Denker. Damit helfen
wir uns und anderen, auch von ideologischer Manipulierung frei zu
handeln.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen besinnlichen Sonntag,
Ihr Siegfried R. Krebs
06. September 2008
Das Wort zum Sonntag vom 28. August 2008
„Schule hat begonnen“
Am 21. August 2008 begann für die schulpflichtigen Kinder und
Jugendlichen in Thüringen wieder der Unterricht. Wie seit 1989 so auch
dieses Jahr werden die Autofahrer hierzulande durch jene gelben Bänder
mit dem schönen neudeutschen Stümmelsatz „Schule hat begonnen“ an ihre
Pflicht zur besonderen Rücksichtnahme erinnert. Jene gelben Bänder im
Zeichen des legendären American Songs „Tie a yellow ribbon round the
old oak tree“ als Zeichen geduldigen Wartens und der Liebe.
Was gibt die Zeit unseren Kindern sonst mit auf den Weg?
Am 25. August, dem ersten Schultag für Thüringische Erstklässler, wurde
mit einem großen Stollen- und Lebkuchenangebot die Weihnachtssaison
durch die Großhandelsketten eröffnet. Frau Merkel bewegt sich im
„Bildungsdschungel“ und bereitet medienwirksam eine Bildungskonferenz
ihrer CDU vor, die SPD wird eine eigene abhalten, beide noch in diesem
Herbst. „Wahlkampf hat begonnen“. Sollten wir nicht auch solche gelben
Bänder aufspannen als Zeichen für die Politiker? Das trifft es wohl
allemal besser als das vorgeschobene Interesse für Bildung mit
Gefälligkeitsstudien für die Wirtschaft mit der Auszeichnung Sachsens
als Ingenieurschmiede Deutschlands. Hier ist Schule für die Wirtschaft
da.
Im Osten Deutschlands begann die Schule traditionell immer am 1.
September als dem „Weltfriedenstag“ im Zeichen der Friedenstaube von
Picasso. – Gewiss, der Beginn des Zweiten Weltkrieges mit dem Angriff
der Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 und die Lehre „Nie wieder
Krieg“, die allen Kindern der DDR an diesem Tag mit auf den Schulweg
gegeben werden sollte, scheint nicht mehr gesellschaftlich
konsensfähig. – Nicht nur, dass bundesdeutsch traditionell die
Bildungslandschaft auch mit ständig verschobenen Schulanfangsterminen
hübsch aufgespalten ist und unsere Kinder ihrer Vereinzelung in Schule
und Gesellschaft überantwortet.
Da ist eine Inflation des Weltfriedensgedankens im Gange.
Die Katholische Kirche feiert seit dem 1. Januar 1968 den Neujahrstag
ihrerseits als „Weltfriedenstag“. Und am 21. September 1981, dem Tag
des Beginns der traditionellen UN-Jahresversammlungen, also des
„Versammlungsanfangs“, verkündete die UN-Generalversammlung den 21.
September zum „International Day of Peace“. Seit 2002
UN-„Weltfriedenstag“, der bis heute nur von wenigen beachtet wird, rief
ab 2004 der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) alle Kirchen auf, den 21.
September zum Internationalen Gebetstag für den Frieden zu machen, „als
Möglichkeit, die Zeugniskraft der Kirchen und Glaubensgemeinschaften
den vielen Kräften der weltweiten Bewegung für Frieden und
Gerechtigkeit hinzu zu fügen“.
Aber CSU-Parteichef Erwin Huber ruft zum „Kreuzzug“ gegen die Linke
auf. Das ist mehr als Wahlkampf geordnet in gesellschaftlichen
Konventionen. Das ist ein erklärter Krieg!
Und auch in den Schulen sind die Gräben innerhalb der jungen Generation
längst aufgemacht, mit der Trennung aller Schüler nach Ethik- und
Religionsunterricht.
Mir scheint, dass das American „yellow ribbon“ sich weit besser mit
der Friedenstaube Picassos vereint, als all der Schmarrn, der uns durch
bundesdeutsche Medienhoheit zur Zeit entgegenbrandet.
Ich wünsche Ihnen allen einen lieben Sonntag, einen guten „Weltfriedenstag“ und einen schönen Schulanfang.
Ihr Abel Niemand
Das Wort zum Sonntag vom 23. August 2008
„Olympia? Ach, Olympia!“
Neues Deutschland, 20.08.2008
Liebe
Leserinnen und Leser,
waren
Sie mit der Berichterstattung über die Olympischen Spiele
zufrieden oder haben Sie sich nicht nur gefreut, sondern auch
geärgert? Ich jedenfalls hatte besonders in der
Vorbereitungsphase genügend Grund erzürnt zu sein. Ursache
dafür war die Art und Weise, wie unsere deutschen Medien
Informationen über China und die Vorbereitung der Spiele herüber
brachten.
Voll
mit meinen Gedanken dazu stimmte der Leserbrief von Horst Neumann aus
dem "Neuen Deutschland" vom 05. August 2008 überein,
aus dem ich zitiere:
"Es
gehört zu den schönen Traditionen, dass die Wettkämpfer
und Schiedsrichter vor Beginn der Spiele Fairness geloben. Schade,
dass Politiker und Medienvertreter nicht auch so einen Eid schwören
müssen. Von Fairness ist kaum etwas zu spüren, wenn sie
sich zu Olympia in Peking äußern. Da China nicht zu den
Untertanen der selbsternannten 'Weltherrscher' gehört, hagelt es
Verunglimpfungen und Verleumdungen. Von Politikern werden für
die Gegner der chinesischen Führung Rechte eingefordert, die
diese im eigenen Land selbst nicht gewähren bzw. gerade
abbauen."
Genau
so sehe ich das auch. Im Mittelpunkt der Berichte und Kommentare vor
Beginn der Spiele stand ja nicht das Streben Chinas, der Welt
Einmaliges und Außergewöhnliches zu bescheren, sondern es
war das innerchinesische Tibetproblem und es war die Einschränkung
von Freiheiten und das Verletzen von Menschenrechten, das in den
Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt werden sollte. Dass
dabei Dinge herbeigezerrt wurden, die mit den Spielen überhaupt
nichts oder nur entfernt etwas zu tun haben, hielten Politiker und
Medien offenbar für normal. Wer, bitte, kann mir erklären,
was z. B. die Sperrung von Internet-Seiten über chinesische
Dissidenten und über tibetische Proteste mit Olympia zu tun hat?
Und wieso muss die "Thüringer Allgemeine" auf ihrer
Titelseite einer antiken Sportlerplastik eine Mao-Mütze
aufsetzen? Selbst das Absichern der Spiele gegen Terroristen stand in
der Kritik, weil es ja die Bewegungsfreiheit einschränken würde.
Und bei der Eröffnungsfeier wurde krampfhaft nach
Protestierenden - wogegen auch immer - gesucht. Auch das IOC bekam
sein Fett weg, dass es die Spiele überhaupt an China vergeben
hat.
Ich
habe mir beim Lesen solcher Verlautbarungen immer vorgestellt,
derartige Äußerungen wären gefallen, als in den USA
olympische Spiele ausgerichtet wurden, wo nicht nur im eigenen Land,
sondern auch außerhalb die Menschrechte mit Füßen
getreten werden. Nicht auszudenken, welcher Aufschrei quer durch
Politikergruppen und deren Lobby gegangen wäre!
Liebe
Leserinnen und Leser, ich hoffe, Sie haben sich nicht durch derlei
tendenziöse Artikel und Kommentare vom Genuss der Wettkämpfe
abbringen lassen und es mit dem ND-Leser Horst Neumann gehalten, der
schrieb: "Lassen wir uns die Freude an den sportlichen
Wettkämpfen in Peking nicht durch schäbige Kommentare von
Berichterstattern und Politikern verderben."
In
diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser,
schöne Stunden beim Ansehen der Abschlusszeremonie der
Olympischen Spiele und einen angenehmen, aber auch nachdenklichen
Sonntag.
Dr.
Dr. Jan Bretschneider
Das Wort zum Sonntag vom 16. August 2008
„Licht! Liebe! Leben!“
Johann Gottfried von Herder (1744-1803), dt. Dichter u. Philosoph
Liebe Leserin, lieber Leser,
oft werde ich gefragt, wer wir Freidenker denn eigentlich seien und was
wir wollen... Entweder verweise ich in meiner Antwort auf unsere
"Berliner Erklärung" oder ich spreche über unsere praktische Arbeit,
die sich ja auf unserer Internetpräsenz widerspiegelt.
Doch wenn ich es recht betrachte: Mit seinen drei Worten (er)faßt Herder Anliegen und Ziele uneres Verbandes gar trefflich.
Licht! - Das steht für Aufklärung und wissenschaftliche Weltanschauung, steht für unser Wirken als Kulturorganisation.
Liebe! - Das steht für unseren humanistischen Einsatz, für unsere
Arbeit als Lebenshilfeorganisation von der Namensgebung über die
Jugendfeier bis hin zu Trauerkultur und weltlicher Bestattung.
Leben! - Das steht für unseren Realitätsbezug, für die Erkenntnis,
daß ideelle Werte nicht im luftleeren Raum existieren, sondern immer
auch ökonomisch begründet sind.
Doch, da gibt es noch etwas! Etwas das wir Freidenker noch stärker
berücksichtigen sollten... Die Liebe... Was wären das menschliche Leben
und das menschliche Glück ohne sie!?!
Zum freien Denken, zur Freigeistigkeit gehört aus meiner Sicht
untrennbar auch die freie Liebe dazu. Nein, ich meine damit nicht den
kommerziellen Sexbetrieb, Zügellosigkeit und das leichtfertige
"Rumgepoppe". Nein, freie Liebe -egal in welcher Ausprägung- verlangt
zunächst nach verantwortungsbewußtem Verhalten gegenüber dem (oder auch
den) Partner(n) und kann nur auf gegenseitigen ehrlichen Gefühlen
gründen und gedeihen. Auch darüber sollten wir Freidenker öfter mal
öffentlich nachdenken.
In diesem Sinne genießen Sie das sommerliche Licht und erleben Sie einen schönen Sonntag,
Ihr Siegfried R. Krebs
Das Wort zum Sonntag vom 09. August 2008
Madrid (dpa). Drei Tage vor der Eröffnung der Olympischen
Spiele in Peking hat die spanische Justiz am Dienstag Ermittlungen
gegen chinesische Regierungsmitglieder, Politiker und Militärs wegen
des Verdachts von Menschenrechtsverletzungen in Tibet eingeleitet. Der
Madrider Ermittlungsrichter Santiago Pedraz ließ eine Klage
verschiedener Initiativen aus Tibet zu.
(Neues Deutschland, 6. August 2008)
Liebe Leserin, lieber Leser,
ob solcher bundesdeutscher Agenturmeldung reibt man sich wieder mal die
Augen... Initiativen aus Tibet hätten geklagt und diese Klage im fernen
Spanien eingereicht. Wohl eher haben sogenannte Tibet-Aktivisten aus
den Metropolen des Kapitals und/oder exiltibetische Extremisten in
dieser Sache agiert.
Doch das ist es nicht, was mich zu dieser Wortmeldung umtreibt. Auch
nicht, daß sich ehemalige Kolonialmächte Justizhoheit über Staaten
Asiens oder Afrikas anmaßen.
Wegen angeblicher Menschenrechtsverletzungen (welcher eigentlich?) wird
die Volksrepublik China angeklagt. Ein Staat, der kein Vasall von USA
und NATO ist, der zudem größter ökonomischer Konkurrent auf dem
Weltmarkt ist.
Aber nehmen wir mal an, der spanischen Justiz geht es wirklich um
Menschenrechte und Verletzung der Rechte von Minderheiten. Wenn, dann
könnte sie mal einen Blick in Richtung Türkei werfen. Den Kurden wird
dort mehr oder weniger der Gebrauch der eigenen Sprache verboten,
kurdische Parteien werden regelmäßig verboten, an der Wahlteilnahme
gehindert. Ja, die Kurden werden offiziell nicht einmal als Kurden
bezeichnet, sondern staatlicherseits Bergtürken genannt.
Oder die muslimischen Religionsgemeinschaft der Alaviten. Ihre Mitglieder werden als Ketzer verfolgt...
Dieses Jahr erst sah man im bundesdeutschen Fernsehen Bilder von
kurdischen Demonstrationen, in die türkische Panzer hineinfuhren und
schossen. Vermeldet wurde eine große Zahl von Toten. Doch das juckt die
menschenrechtlernde spanische Justiz nicht. Denn immerhin ist die
Türkei NATO-Mitglied und Aufmarschgebiet für US-Truppen.
Aber warum in die Ferne schweifen. In Spanien selbst wird eine
nationale Minderheit - trotz Autonomiestatuts - diskriminiert: die
Basken! Ihre Parteien werden am laufenden Band verboten, ihnen wird die
Teilnahme an demokratischen Wahlen verwehrt. Friedliche politische
Aktivisten werden willkürlich verhaftet und entwürdigenden
Haftbedingungen ausgesetzt.
Also, spanische Justiz werde aktiv und sorge zunächst für Menschen- und Minderheitenrechte im eigenen Land.
Wir Freidenker wissen, es geht jenen hehren Menschenrechtskämpfern
wie Bush & Co. sowie ihren willigen Lakaien nicht um die Rechte der
Menschen, sondern nur die Herrschaft des Kapitals und "des Westens"
über alle Völker dieser Erde.
Lassen Sie sich nicht die Hirne vernebeln, denken Sie nach, hinterfragen Sie solche Pressemeldungen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen noch einen besinnlichen Sonntag,
Ihr Siegfried R. Krebs
Das Wort zum Sonntag vom 2. August 2008
... „Ist Ihnen je der Gedanke gekommen, Mr. Clay, dass man
den Menschen erlauben sollte, ihr eigenes Land nach eigenem Gutdünken
zu verwalten, und dass man sie nicht zwingen sollte, ihre Politik nach
den Bequemlichkeiten von zwei Dutzend Fremden zu orientieren?“
Verblüfftes Schweigen, dann brach aus Clay alle aufgestaute Entrüstung heraus:
„Ihnen erlauben, ihre eigene Regierung zu haben!!!??? Das ist die
dümmste Idee aller Zeiten! Wissen Sie denn nicht, dass wir Amerikaner
ihnen eine viel bessere Regierung geben werden, als sie jetzt haben?
Wissen Sie denn nicht, dass wir den Terrorismus und die Rebellion im
Schach halten? Wissen Sie denn nicht, dass wir ihr Eigentum für die
Leute sicher machen – genau wie unseres – und ihr Leben auch? Verdammt,
wir geben ihnen Dinge -....*-, die sie nie in der Welt selbst zustande
kriegen...“
(gelesen in einem US-amerikanischen Krimi aus den 20er (!) Jahren)
Liebe Leserinnen und Leser,
vor etlichen Jahren notierte ich mir diese Zeilen. Leider vergaß ich,
mir den Titel des Krimis und den Namen des Autors zu merken.
Über 80 Jahre alt ist dieser Text, aber man könnte meinen, er wäre erst jetzt zu Beginn des 21. Jahrhunderts geschrieben...
Gesagt wurde das über „Wilde“, die schon Höchstleistungen in Kultur,
Wissenschaft und Technik vollbracht haben, als es die USA noch gar
nicht gab. Und – mit dieser Borniertheit bewegen sich US-Amerikaner
heute nicht nur in Afghanistan oder im Zweistromland (einer der Wiegen
menschlicher Zivilisation)... Ähnlich verhält es sich mit "Belehrungen"
und "Segnungen", die "der Westen" heuer der ältesten (und mit Abstand
größten) Kulturnation - den Chinesen - bringen will.
Zu den im Text genannten "Dingen", damit waren und sind nicht der
Respekt vor den Anderen, nicht Handel und Politik auf gleicher
Augenhöhe gemeint. Nein, ganz in christlicher Kolonialherrenmanier:
christliche Kirchgebäude und Missionsstationen, Coca Cola, Hamburger,
Comic Strips und Sitcoms...
Ich möchte aber nicht weiter ausholen, denn die Zeilen des
US-amerikanischen Schriftstellers sprechen für sich und bedürfen keines
Kommentars.
Ich wünsche Ihnen noch einen besinnlichen Sonntag,
Ihr Siegfried R. Krebs
Das Wort zum Sonntag vom 26. Juli 2008
"Ab dem 1. Spetember müssen sich Ausländer, die die deutsche
Staatsbürgerschaft beantragen, einem Test stellen ... Doch keine Angst,
liebe Migranten, Sie dürfen den Test beliebig oft wiederholen. Und
falls Sie liebe Leser, bereits im Besitz der deutschen
Staatsbürgerschaft sind, können Sie sich dieser würdig erweisen."
Aus einem Kommentar zu "Das etwas andere Quiz", Neues Deutschland 12./13. Juli 2008 S. 22)
Liebe Leserinnen und Leser,
hurra, haben meine Frau und ich ausgerufen; wir dürfen uns weiterhin
deutsche Staatsbürger nennen, denn wir haben nicht nur 17, sondern 30
bzw. 31 der 33 Fragen richtig beantwortet. Nur die Anzahl der
Bundesländer war nicht so ganz gegenwärtig und wo die Bundesrepublik so
überall Gründungsmitglied ist. Echte Probleme hatte ich mit der Frage
7: Wann ist die Meinungsfreiheit eingeschränkt? Geforderte Antwort: Bei
der öffentlichen Verbreitung falscher Behauptungen über einzelne
Personen. Frage meinerseits: Und wieso dürfen dann z. B. falsche
Verdächtigungen über eine Stasimitarbeit ungestraft verbreitet werden?
Weiter: Zu Frage 7 stehen noch zur Auswahl: "bei Diskussionen über
Religionen" und "bei Kritik am Staat". Frage meinerseits: Wieso kommen
diese Antworten nicht in Frage? Zeigt doch die politische Praxis in der
Bundesrepublik tagtäglich deren Zutreffen .
Die Schwierigkeiten setzten sich fort bei Aufgabe 12: Mit welchen
Worten beginnt die deutsche Nationalhymne? Geforderte Antwort:
Einigkeit und Recht und Freiheit ... Wieso das? Haben wir uns von
"Deutschland, Deutschland, über alles..." verabschiedet? Wo steht das
geschrieben? Im Grundgesetz jedenfalls habe ich dazu nichts gefunden,
und dort wäre ja eigentlich der rechte Platz für solche Festsetzungen.
Liebe Leserinnen und Leser, ich will damit sagen: Nicht nur "Migranten"
dürften mit dem "Staatsbürgerschaftstest" so ihre Schwierigkeiten
haben, sondern auch mancher gestandene BRD-Bürger.
Was wird mit diesen, welche den Test nicht bestehen? Der Leserbrief von Maria Curter im "ND" bringt das Absurde auf den Begriff:
"So viel deutsches Deutschland bei 33 Aufgaben! Der deutsche
Beamtenschweiß muss ja eimerweise geflossen sein, um sich solche Fragen
auszudenken. Dem deutschen Fernsehen schlage ich diesen
Einbürgerungstest als neues Format vor, als Quiz für deutsche Bürger.
Wer weniger als 51 Prozent der Fragen beantworten kann, muss seinen
deutschen Pass abgeben."
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen, aber auch nachdenklichen Sonntag.
Dr. Dr. Jan Bretschneider
Das Wort zum Sonntag vom 19. Juli 2008
"Der einhellige Beschluß der Arbeits- und Sozialminister (Anm. von
Bund und Ländern), nach dem bei den höchstrichterlich monierten
Jobcentern (Anm. den ARGEn) alles so bleibt, wie es ist, ist ein
Lehrstück höchster Staatskunst. Die Verquickung von Bundes- und
kommunalen Strukturen, seinerzeit als Sturzgeburt einer entnervten
nächtlichen schwarzgelbrotgrünen Runde entstanden, soll weiterhin
Bestand haben. Zwar ist die derzeitige Praxis nicht von der gültigen
Rechtslage gedeckt... Was liegt da näher als eine einfache
Frontbegradigung durch die Änderung der Rechtsgrundlage?"
Neues Deutschland, 16. Juli 2008
Liebe Leserinnen und Leser,
(K)ein Schelm der ARGES dabei denkt!?
Und da möchte man doch als politisch Linker, als Freidenker lauthals
sofort nach dem Verfassungsschutz rufen... Wenn der denn wirklich die
Verfassung, sprich das Grundgesetz, zu schützen hätte.
Die Musterdemokraten des Bonner Kartells CDUCSUSPDFDPGRÜNE tragen
seit Jahrzehnten den Popanz „freiheitlich demokratischer Rechtsstaat“
vor sich her und haben das Bundesverfassungsgericht zum Heiligen Olymp
erklärt und wollen dem Rest der Welt dieses politische System als das
einzig richtige, ja als das einzig nur mögliche vorschreiben.
Doch, ach, da hat das Bundesverfassungsgericht im Dezember das
Hartz-IV-Gesetz mit seinem Konstrukt der „ARGE“ für verfassungswidrig
erklärt und der Exekutive die Auflage erteilt, bis zum Jahre 2010 eine
grundgesetzkonforme „Verwaltung und Betreuung der Langzeitarbeitslosen“
zu schaffen.
Wer nun meint, daß die herrschende Politik den großzügig gesetzten
Termin für ein solches Tun auch nutzen würde, sieht sich Mitte Juli
eines besseren belehrt. Eine Runde von Ministern geht einen anderen Weg
als vom Höchsten Gericht gewiesen: Nicht ein schlechtes, ein schlecht
gemachtes Gesetz soll mit dem Grundgesetz in Übereinstimmung gebracht
werden.
Nein, stattdessen soll die Verfassung geändert, förmlich gebeugt, werden, um diese an ein schlechtes Gesetz anzupassen.
Aber darüber wird sich doch kein Verfassungsschutz, also der
Inlandsgeheimdienst, aufregen, berührt dieses schlechte Gesetz, die
angestrebte Verfassungsänderung ja bloß die weitere Einschränkung der
Würde und Rechte von Millionen Bürgern.
Lieber kriminalisiert man - siehe das von der CSU initiierte neue
„Versammlungsrecht“ - Linke, als Parteien, Organisationen und
Individuen, für die das Grundgesetz trotz all seiner Mängel ein
schützenswertes Gut ist.
Trotz dieser trüben Aussichten wünsche ich Ihnen einen besinnlichen Sonntag.
Ihr Siegfried R. Krebs
Das Wort zum Sonntag vom 12. Juli 2008
„Was immer auch geschieht, nie sollt ihr so tief sinken,
von dem Kakao, durch den man euch zieht – auch noch zu trinken.“
Kurt Tucholsky (1890 – 1935)
Liebe Leserinnen und Leser,
ist sie nicht wunderschön, diese Wortakrobatik des Meisters? Mit so wenig so viel gesagt.
Welcher arbeitslose Professor, dessen Abschluss per Gesetz bereits nach
einem halben Jahr soweit entwertet wird, dass er die Strasse kehren
kann bei Hartz IV, könnte das so gut? Und welcher Professor in
Anstellung könnte das heute?
Da ist wieder etwas geschehen im Land der Dichter und Denker. Hier
braucht man gerade tüchtige Ingenieure, ethisch einwandfreie Christen,
Wendehälse, Finanzjongleure, eine bunt schrill schillernde Kultur noch
oben auf als Sahnehäubchen.
Es ist schön, Sie wieder hier begrüßen zu können.
Ich habe heute einmal dieses alte Tucholsky-Zitat hervorgekramt, das
mir nicht aus dem Kopf gehen will. Womöglich gleichen sich seine und
unsere Zeiten?
Tun wir etwas für unsere Sonntagsstimmung, auf das wir uns auf uns
selbst besinnen. Seien wir bei uns selbst zu Hause, im freien Denken.
Wie immer herzlichst
Ihr *Abel Niemand*
Anhang:
Kurt Tucholsky war ein deutscher Journalist und
Schriftsteller. Er schrieb auch unter den Pseudonymen Kaspar Hauser,
Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel.
Tucholsky zählte zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer
Republik. Als politisch engagierter Journalist und zeitweiliger
Mitherausgeber der Wochenzeitschrift Die Weltbühne erwies er sich als
Gesellschaftskritiker in der Tradition Heinrich Heines. Zugleich war er
Satiriker, Kabarettautor, Liedtexter, Romanautor und Lyriker. Er
verstand sich selbst als linker Demokrat, Pazifist und Antimilitarist
und warnte vor antidemokratischen Tendenzen – vor allem in Politik,
Militär und Justiz – und vor der Bedrohung durch den deutschen
Faschismus.
Das Wort zum Sonntag vom 05. Juli 2008
„Vom 1. Januar 2009 an sollen in
Deutschland kirchliche Hochzeiten ohne vorherige Trauung beim
Standesamt möglich sein. Dies ergibt sich aus einer von der
Öffentlichkeit weitgehend unbemerkten Änderung des Rechts
der Eheschließung. Sie hat zur Folge, dass nicht nur eine
kirchliche Voraustrauung, sondern auch eine Ehe ohne den Gang zum
Standesamt möglich ist.
Seit Einführung der Zivilehe in
Deutschland 1875 musste die standesamtliche Hochzeit der kirchlichen
vorausgehen. Geistliche wurden bestraft, falls sie sich nicht daran
hielten. Ursprünglich wurde den Pfarrern drei Monate Haft
angedroht. Zuletzt war die kirchliche Voraustrauung in der
Bundesrepublik aber nur noch eine Ordnungswidrigkeit ohne Sanktionen.
2006 wurden rund 373 700 Ehen vor dem Standesamt geschlossen, rund
105 000 Paare gingen dann auch vor den Altar.“
(aus Nachrichtensendungen vom 3. Juli
2008)
Liebe Leserinnen und Leser,
als ich am Donnerstag diese Nachrichten
vernahm, rieb ich mir verwundert die Augen, schaute auf den
Kalender. Nein, wir hatten nicht den 1. April, es handelte sich um
keinen April-Scherz...
Wenn Autoren wie Morris Berman („Kultur
vor dem Kollaps“) schreiben, daß wir uns einem neuen
Mittelalter nähern, dann ist eine solche bundesdeutsche
Gesetzesänderung der beste Beweis für seine These. Zurück
hinter Bismarck, so lautet die Regierungsdevise der heute
Herrschenden, weg mit allem was nach Aufklärung und
Zivilgesellschaft riecht!
Wobei man konstatieren muß, daß
der erzkonservative Kanzler Bismarck mit seiner Sozialgesetzgebung,
mit seiner antikatholischen Politik und mit der Einführung der
Zivilehe (Standesämter!) keinesfalls Sozialist oder Freidenker
war. Nein, Bismarck ging es allein um die Stabilisierung des Staates,
um die Einbindung der Arbeitermassen in die Gesellschaft, um die
Verhinderung sozialer Unruhen, um das Kleinhalten der revolutionären
Arbeiterbewegung. Mit sozialen Reformen, die ihren Namen seinerzeit
noch verdienten, mit der behutsamen Loslösung von einigen
kirchlichen Machtansprüchen sollte die Sozialdemokratie klein
gehalten werden; zu diesem Zuckerbrot kam aber auf gutjunkerliche Art
noch die Peitsche hinzu: das Sozialistengesetz. Letzteres mußte
fallen, die sozialen und zivilrechtlichen Reformen jedoch hatten
Bestand, trotz zweier Weltkriege, Inflation und Weltwirtschaftskrise.
Es mußten erst weit über 100
Jahre später Sozialdemokraten in Regierungsverantwortung kommen,
um das progressive und gesellschaftsstabilisierende Erbe Bismarcks zu
liquidieren, ganz im Sinne einer kurzsichtigen Macht- und
Profiterhaltung von Großkapital und Großkirchen. So
zunächst Kanzler Schröder mit seiner Agenda-Politik
(Hartz-Gesetze), nun Justizministerin Zypries mit dem Vorstoß
zur Aufweichung, gar Abschaffung der Zivilehe.
Wenn sich in diesen Tagen Vertreter der
Großkirchen kritisch zu dieser Gesetzesänderung, zu
ihrem neuen Privileg äußern, dann sollte man vorsichtig
sein und bleiben... Es wird ja nicht das Privileg an sich kritisiert.
Nein, nur daß diese Eheschließungen noch nicht
vollwertig sind in bezug auf Unterhaltsregelungen, Erbrecht etc.
Nachtigall, ick hör dir trapsen, sagt der
Berliner. Und ich befürchte schlimmes... Der nächste Schritt könnte
doch, scheinheilig mit der grundgesetzlichen Gleichbehandlung begründet,
eine Veränderung des BGB sein, um den Wünschen des Klerus zu
entsprechen: daß Menschen wie vormals in ihren ganz persönlichen
Angelegenheiten wieder voll und ganz „vom Pfaffen abhängig“ sein
werden. Denn es ist schon heute bezeichnend, daß nur noch ein Drittel
aller Eheschließenden nach dem Standesamt noch zum Traualtar gehen...
Das schreit nun endlich nach EINEM Kirchenrecht für ALLE! Denn vor einer
wirklichen Säkularisierung, vor einer wirklichen Emanzipation haben die
Herrschenden und ihre Lakaien doch immer die größte Angst. "Ach
Gott - wie e t h i s c h ", kann man, kann der Satiriker, da nur lästern...
Trotz dieses Bildes von einer möglichen
düsteren Zukunft wünsche ich Ihnen einen besinnlichen
Sonntag,
Ihr Siegfried R. Krebs
Das Wort zum Sonntag vom 27. Juni 2008
„Gehe hin in Frieden“
Aus: Der Klang des Geldes, mittelalterliche Legende um Nasreddin
Hoca. Die erste schriftliche Erwähnung einer Lehrgeschichte von
Nasreddin findet in der Saltukname, eine Sammlung von Legenden über
Sari Saltuk, einem islamischen Heiligen des 13. Jahrhunderts statt.
Diese wurde 1480 von Ebülhayr Rumi nach siebenjähriger Vorarbeit
herausgegeben.
Liebe Leserinnen und Leser,
ist das nicht ein schöner Wunsch? Gewiss, eine Abschiedsformel. Aber
man wünscht doch Frieden, was im Deutschen gleichbedeutend ist mit
einem „Zustand der Ruhe, mit Harmonie“ oder auch mit der „Beilegung
einer (kriegerischen) Auseinandersetzung“. Das möchte „Jedermann“ gern
„Haben und Sein“.
Ich habe den heutigen Leitspruch einer Anekdote um Nasreddin Hoca
entnommen, dessen 800ten Geburtstag man in diesem Jahr feiert. Dabei
ist dieser legendäre Volksheld ebenso wenig historisch verbürgt wie die
ähnlich gelagerte Figur der Eulenspiegelschwänke.
Nasreddin fungiert in der Geschichte als Imam, also als islamischer
Richter. Er nimmt den Bettler in Schutz vor dem reichen Wirt.
Entscheidet für den freien Abzug des Bettlers vor dem Geldhunger das
Wirts. Entscheidet auf fairen Handel zwischen dem Wohlgeruch eines
Bratens und dem Klang des Geldes, welche beiden Objekte die Legende als
gleichwertig zum Tausch anerkennt. Entscheidet auf Frieden für den
Bettler.
Der gleiche Tausch ist hier zu Lande besser bekannt aus dem
Eulenspiegelschwank „Wie Eulenspiegel den Wirt mit dem Klange des
Geldes bezahlte“. Nur dass Eulenspiegel selbst den Klang des Geldes
anbietet gegen den Wohlgeruch des Bratens, der Wirt selbst seinen
Geldhunger bezwingt und auf den Richter verzichtet. Denn im
Volksschwank hat der Wirt Angst vor weiteren Eulenspiegeleien, oder
doch vorm Richterspruch? Jedenfalls willigt der Wirt in Eulenspiegels
Angebot zum Gerichtsgang gar nicht erst ein. Dann zog „Eulenspiegel ...
von dannen, wanderte fort vom Rhein und zog wieder in das Land
Sachsen.“
Da stellt sich uns doch die Frage nach dem ferneren Schicksal des
Bettlers, also in Neudeutsch, nach dem Prekären. – Was hatte der
Bettler erhalten? Die Teilhabe am Bratengeruch. Der Bettler ist es, der
den Tausch anbietet und vollzieht, nicht der Wirt. Das heißt, die
Erfindungsgabe liegt beim Prekären – er hat da einen Fladen, hier eine
alte trockene Semmel. Und er hat – noch – klingende Münzen. Mithin kann
er nicht verhungern, soll aber nach der Vorstellung des Saturierten
dennoch für seine so ungewöhnlich ideenreich eingeforderte Teilhabe
bezahlen. – Und musste gehen!
Ergebnis: Nasreddin Hocas Bettler ging und war beim Gehen in Frieden
vor den Nachstellungen des Saturierten, Eulenspiegel ging und blieb als
Bedrohungsszenario Teilhabe einfordernder Eulenspiegel. So beschreibt
es die Legende. War er ein Bettler und damals bereits besonderes Symbol
für das Volk? Eher Eulenspiegel als im „sozialen Frieden“?
Heute wären alle Handelnden dieser Legenden miteinander im Zeitalter
der Globalisierung angekommen, alle beanspruchten heute ihren Platz in
dieser Welt. Eben global betrachtet!
Überhaupt: Wohin könnte man sie auch – global betrachtet – wegschicken?
Global betrachtet ist heute die Zeit, in der alle Menschen Kenntnis
haben können von den einzelnen Religionen, innerhalb jeder einzelnen
eine neue Zeit für den Umstand vorausgesagt wurde, eben für diese
globale Zeit. Dann, wenn die Kunde der jeweiligen religiösen Botschaft
bei allen Menschen der Erde bekannt gemacht sein könnte, bräche ein
neues Zeitalter an. Denn alle wüssten dann von allen. Gemeinhin
forderten die Überlieferungen monotheistischer Religionen dann den
Entscheid für ihren Glauben. Sie würden anderen Überzeugungen keinen
gleichrangigen Platz einräumen wollen. Sie enden in einer Apokalypse,
einer Endzeit-Vorstellung.
"Nasr ed-Din“ bedeutet „Sieg des Glaubens“.
Doch zurück zur hiesigen mittelalterlichen Legende: Eulenspiegel machte
sich, was leicht war, schwer, was schwer war, anderen leicht, musste
selbst Bettler sein und machte den Menschen dennoch ihren Anspruch auf
Teilhabe am Leben begreifbar.
Damit wendet sich die hiesige Volkslegende
wider die Ausgrenzung Andersdenkender, Andersgläubiger und Konfessionsfreier,
wider die sittenwidrige Abweisung Arbeitssuchender als gesamtgesellschaftliches Problem,
wider die finanztechnisch verbrämte Verknappung von Lebensressourcen und
wider die Wegnahme des Letzten, der menschlichen Würde.
Was bedeutet der Frieden den Freidenkern für jeden Einzelnen?
Ich denke, sein Recht auf Teilhabe einfordern.
Ich denke, im Frieden sein, im Hier und Jetzt.
Für ein Leben in Würde und aktives Sein im Leben.
Ich wünsche Ihnen einen guten Sonntag.
* Abel Niemand *
Anhang: Der Klang des Geldes
Nasreddin ging durch den Basar. Er hörte Geschreie aus einer Garküche.
Nasreddin rannte sofort hin, um nachzusehen, was dort geschah. Er sah
einen Wirt, der einen Bettler am Kragen schüttelte, nur weil der
Bettler nicht zahlte. Nasreddin fragte, was los sei. Der Wirt brüllte:
„Dieser Landstreicher holte einen Fladen aus der Tasche und hielt den
Fladen solange auf dem Bratspieß, bis er nach Fleisch roch und doppelt
so gut schmeckte und jetzt zahlt er nicht.“ Daraufhin sprach Nasreddin
zum Bettler: „Es ist nicht gut, fremdes Gut ohne Bezahlung zu benutzen.
Hast du Geld?“ Der Bettler holte ein paar Münzen aus der Tasche und der
Wirt streckte seine Hand aus, aber Nasreddin sprach plötzlich: „Warte,
Meister des Wohlgeschmacks, hör mal genau zu!“ Nasreddin schüttelte
eine Weile die Faust, in der sich die Münzen befanden und es klimperte.
Er gab dem Bettler das Geld zurück und rief: „Gehe hin, in Frieden!“
Der Wirt sprach erschrocken: „Aber ich hab das Geld doch überhaupt
nicht bekommen.“ Nasreddin dagegen: „Er hat den Duft deines Bratens
gerochen und du hast den Klang seines Geldes gehört. Jetzt seid Ihr
quitt!“ – Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Nasreddin
Das Wort zum Sonntag vom 21. Juni 2008
„Ich sage nur, die DDR lässt grüßen. Mit den Vorschlägen der Linken
kämen wir vielleicht zu relativ mehr Gerechtigkeit. Aber auf einem
Level, auf dem heute keiner mehr leben will. Soziale Gerechtigkeit
heißt, sich nicht nur um Menschen im unteren Bereich kümmern. Auch
Eigentümer müssen das Gefühl haben, z.B. mit der Steuerpolitik gerecht
behandelt zu werden. Einseitige Neiddebatten würden zu mehr Spaltung
führen. Wir brauchen keine Politik der Schlagworte, sondern der
Ehrlichkeit.“
Christine Lieberknecht, Thüringer Sozialministerin (CDU), am
Weltkindertag, dem 1. Juni 2008, im OTZ-Interview auf die Frage von
Henning Johr:
„Was will die CDU der Sozialpropaganda der Linken entgegensetzen?“
Liebe Leserinnen und Leser,
mal ehrlich:
Wie wollen Sie heute leben?
Natürlich freiheitlich-demokratisch, ganzheitlich-gesund ungespalten und vor allem gerecht.
Jedenfalls mir geht das so. Deshalb komme ich immer so schlecht mit,
wenn mir Politiker weis machen wollen, in diesen Wünschen ließe mich
nur „die DDR grüßen“. Oder stimmt es wirklich, dass die – offenbar
jetzt politisch neuartig nur noch in LEVELHAFTIGER RELATIVITÄT zu
messende – GERECHTIGKEIT heute keiner mehr leben will?[1] Ist das denn
die Menschenmöglichkeit?
Warum um alles in der Welt trampt Christine Lieberknecht denn da auf
dem menschlichen Gerechtigkeitsgefühl herum? Na Gott sei Dank! Alles
nur Sozialpropaganda in Schlagworten.
Drum kommt unsere frisch gebackene Sozialministerin auch spielend
leicht vierzehn Tage später mit grundsätzlich-sozialer Marktwirtschaft
bei „Sozialem im Wirtshaus“ [2] drauf zurück, dass man „die sozialen
Schlagworte nicht den Linken überlassen“ dürfe. Also: Es ist Frau
Lieberknecht, die „die Anwesenden“ mit dem bundesweit-medizinischen
Versorgungsprojekt „Schwester Agnes“ [3] an DDR-Zeiten erinnert. Frau
Lieberknecht selbst lobt die ähnlich positiv verlaufende Entwicklung
der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) im Lande. [2] Nein, das Wort
„Polikliniken“ fällt nicht im Wortbeitrag der OTZ.
Warum die Sozialministerin eigentlich nur ein Spannungsfeld sieht,
nämlich „zwischen der hochtechnisierten Welt, in der wir leben, und
andererseits denen, die ‚nicht mitkommen‘, armen und hilfebedürftigen
Menschen?“ [2] Offenbart sie hier das alte gespaltene Weltbild mit
Saturierten und Prekären – d.h. den Satten und den Bittstellern. Also
eines Eingeteilten in Himmel und Erde? Eines Politikstils mit Gläubigen
und Konfessionsfreien? Eines Schulsystems mit Religionsunterricht und
der ersatzweisen Ethik? Einer schlagwortartig und gewollt plakativen
Einteilung in Gut und Böse.
Dann hieße das – weil man da nur „denklogisch“ [4], sonst aber schlecht
mitkommt – dass dieses Wort zum Sonntag nur das Wort eines Bittstellers
wär‘ ? ... Dem man ein Almosen gibt und Schlagworte .... oder auch
Nichts ... oder oder ...
Was für EIN Freiheit-, Demokratie- und Vernunftwidriger, menschenunwürdiger Grundsatz.
Ganz ehrlich:
Die Aufklärung in Deutschland war mit ihrem Menschenbild da schon
weiter, wenn sie mit einem Weisen fragen ließ: „Sind Christ und Jude
eher Christ und Jude, als Mensch?“ [5]
In diese Gemeinschaft finden sich „Konfessionsfreie“ unterschiedlicher
kultureller Biographien als Menschen hineingenommen. Freidenker leben
nicht vom gutbösen Grabendenken und pflegen keine Lieberknechtsche
Geschichtsklitterung zwischen alter DDR und neuer BRD.
Ich wünsche Ihnen ein freiheitlich-demokratisches, ganzheitlich-gesund
ungespaltenes und ungeteilter Gerechtigkeit verbundenes Leben
und
einen schönen Sonntag.
*Abel Niemand*
Zitate:
[1] Nahtlose Fortsetzung. Henning Johr, OTZ-Artikel vom 1. Juni 2008
[2] Soziales im Wirtshaus. Petra Lowe, OTZ-Artikel vom 17. Juni 2008
[3] Mit Arzthelferinnen gegen den Ärztemangel. Schwester Agnes erobert
den Westen. Die Sache mit der Gemeindeschwester Agnes, dpa / kü. vom
11. Oktober 2007.
[4] Demokratie und Sozialismus, Angela Merkel von 2008.
[5] Nathan der Weise. Gotthold Ephraim Lessing, 1779.
Das Wort zum Sonntag vom 14. Juni 2008
"Kein Volk kann gleichzeitig unwissend und frei sein."
Thomas Jefferson
Präsident der USA 1801 - 1809
Liebe Leserinnen und Leser,
200 Jahre liegen zwischen diesen Worten des Mitverfassers der
US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und dem weltweit
unheilvollen Agieren des jetzigen präsidialen Bush-Kriegers... Im
Interesse der Herrschenden und der in ihrem Auftrage Regierenden wird
Unwissenheit verbreitet, wird massivst und schamlos gelogen, um Kriege
um die imperiale Vorherrschaft führen zu können. Angeblich leben wir ja
in der Informationsgesellschaft, doch diese meint nicht Inhalte,
Wissen, Meinungsaustausch, sondern auschließlich
Informationstechnologien und -techniken... Was den wenigsten Menschen
und Nutzern der Medien und auch des Internets bewußt ist.
Unwissenheit wird dagegen von den Herrschenden und ihren Medien
bewußt verbreitet: Denken wir nur an die vielen US-Fantasy-Serien im
Fernsehen: Da wird Geschichte zusammengestoppelt, da wird anderen
Völkern deren Geschichte genommen... Warum? Wer keine Geschichte hat,
der hat auch keine Zukunft...
Themenwechsel, und doch kein Themenwechsel: Seit Freitag dieser Woche
überschütten bürgerliche Politiker aller Couleur, allen voran die
angeblich so basisdemokratischen und alternativen GRÜNEN, das irische
Volk mit Beschimpfungen wegen dessen Votums gegen den EU-Vertrag. Und
nur deshalb, weil die Iren im Wissen um dessen Inhalte
(Demokratieabbau, Sozialabbau, Aufkündigung des Konsensprinzips in der
EU und Militarisierung der EU-Politik) sich demokratisch und frei in
einer Volksabstimmung entschieden haben. Sie haben sich eben nicht
manipulieren lassen.
Ein Politiker der GRÜNEN verstieg sich sogar zu der Behauptung, daß
damit drei Millionen Iren 550 Millionen Europäern vorschreiben wollten,
wie "Europa" auszusehen habe... Wenn bürgerliche Politiker sich ihrer
Sache so sicher sind, warum riefen sie dann nicht auch in den anderen
26 EU-Mitgliedsstaaten zu Volksabstimmungen auf?!
Auch wir in Deutschland werden in Unwissenheit gehalten! Denn wem gaben
Bundesregierung und Medien diesen Vertragstext zur Kenntnis? Und damit
komme ich von der sogenannten "großen Politik" zum Bildungsalltag in
diesem Lande.
Alle reden vom mündigen Bürger, doch mündig und frei kann nur der sein,
der eine wirklich umfassende Bildung erwerben kann. Das Bonner Kartell
tönt vollmundig auch davon, daß Bildung Investition in die Zukunft sei.
Doch leider sieht die Realität bundesweit völlig anders aus.
Auch für uns Freidenker sind die Themen Bildung und Schule seither
wichtige Arbeitsschwerpunkte. Aber wir sehen im Gegensatz zu den
kleinstaatlichen Kultus-Bürokraten den Tatsachen ins Auge. Ausgehend
von unserer "Berliner Erklärung" hat daher der Bundesvorstand zu einer
Bildungskonferenz einberufen. Diese findet am 4. Oktober in Erfurt
statt.
Die Themenschwerpunkte sprechen für sich:
- Das Menschenrecht auf Bildung und Ausbildung
- Gleiche Bildungschancen für alle - gegen Bildungsprivilegien und soziale Ausgrenzung
- Lernen für das Leben als selbstbestimmtes Individuum - gegen die Abrichtung nach Kapitalinteressen
- Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse - gegen religiöse Missionierung und Mythen
- Demokratische Lerninhalte - gegen Chauvinismus, Rassismus, Antikommunismus und die Verachtung der Menschenwürde
Für uns Freidenker sind solche Aussagen keine Sonntagsreden, sondern
wirkliche Zielstellungen. Wir wissen, daß solche Forderungen in der
jetzigen Gesellschaft nur schwer durchzusetzen sind. Eben deshalb soll
diese Konferenz keine Eintagsfliege sein, sondern den Ausgangspunkt für
eine Langzeit-Initiative "Volksbildung" bilden. Hierzu möchte ich Sie
schon jetzt einladen.
Ich wünsche Ihnen noch einen besinnlichen und erholsamen Sonntag,
Ihr Siegfried R. Krebs
Das Wort zum Sonntag vom 17.05.2008
Liebe Leserinnen und Leser,
bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich heute einmal vom sonst
üblichen Schema abweiche. Meine Sätze sollen diesmal den Rahmen, das
Zitat den Mittelpunkt bilden.
Seit geraumer Zeit stehen die finanziellen Belastungen und
Probleme der Bürger dieses Staates im Zentrum des Streites und der
Diskussionen. Ob die Preissteigerungen bei Lebensmitteln, Strom,
Gas und Dienstleistungen, ob die grenzenlose Unverschämtheit der
Preistreiber bei Benzin und Diesel, überall wird dem Bürger mehr Geld
aus der Tasche gezogen, vor allem an solchen Stellen, wo er sich
schlecht wehren kann. Dem gegenüber stehen der bisher vergebliche Kampf
für einen Mindestlohn, die Mikro-Erhöhung der Renten und im Gegensatz
dazu das kräftige Zulangen unserer Abgeordneten bei der Diätenerhöhung.
In einer solchen Situation bringt es ein Akademiker und
Ex-Bundespräsident fertig, junge und alte Generationen aufeinander zu
hetzen. Dagegen fand ich keine bessere Argumentation als die folgende:
Adolf Bauer, Präsident des Sozialverbandes Deutschland, schrieb
einen Offenen Brief an Prof. Dr. Roman Herzog, Bundespräsident a. D.
Ich fand diesen in der SoVD Zeitung 2008/5, Ausgabe
Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen.
"Sehr verehrter Herr Professor Dr. Herzog,
mit großer Sorge hat der SoVD die durch die in diesem Jahr
geplante Rentenerhöhung von 1,1 Prozent ausgelöste Debatte um einen
sogenannten Generationenkrieg zur Kenntnis genommen. Es handelt sich um
eine polemisch geführte und sachlich falsche Debatte gegen eine
Generation, die den jetzigen Wohlstand dieses Landes unter vielen
Entbehrungen mit aufgebaut hat. Umso mehr entsetzt es uns, dass Sie als
ehemaliges Staatsoberhaupt Position gegen Rentnerinnen und Rentner
beziehen und damit aktiv dazu beitragen, den angeblichen
Generationenkonflikt noch anzuheizen. Es ist uns völlig unverständlich,
wie Sie davon ausgehen können, dass die Älteren die Jüngeren
"ausplündern". Die Rentenerhöhung ist gering genug. Demgegenüber stehen
die zunehmenden realen Rentenverluste, mit denen die Rentnerinnen und
Rentner heute schon kämpfen und mit denen auch die künftigen
Rentnergenerationen werden kämpfen müssen, denn jedes Ausbleiben einer
Rentenerhöhung trifft auch diese.
Wissen Sie nicht, wie viele Eltern und Großeltern ihre Kinder und
Enkelkinder finanziell unterstützen, weil diese aufgrund von
Arbeitslosigkeit ihren Lebensunterhalt selbst nicht tragen können? Was
wären Vereine oder die Pflege ohne das ehrenamtliche Engagement älterer
Menschen? Sind es Ihrer Ansicht nach tatsächlich 1,1 Prozent wert,
diese Menschen zu "Plünderern" zu erklären? Die Probleme in der
Rentenversicherung haben nicht die jetzigen Rentnerinnen und Rentner zu
verantworten. Sie haben ihren Teil des Generationenvertrages erfüllt.
Sie haben Kinder bekommen, deren Erziehung unter viel größeren
Schwierigkeiten als heute erfolgte. Sie haben ihre Beiträge regelmäßig
entrichtet und konnten Vertrauen darauf haben, dass die Rentenkasse, in
die sie jahrelang einbezahlt haben, ihnen ein menschenwürdiges Dasein
im Alter ermöglicht. Die Ursachen für die Probleme der gesetzlichen
Rentenversicherung liegen nicht bei den Rentnerinnen und Rentnern und
ihrem Wunsch nach einer existenzsichernden Rente, sondern bei der hohen
Arbeitslosigkeit und den Armutslöhnen, die die Unternehmen im Vertrauen
auf zusätzliche staatliche Transferleistungen zahlen, in der massiven
Frühverrentungspraxis der vergangenen Jarhzehnte und nicht zuletzt in
den Kosten der deutschen Einheit.
Sehr verehrter Herr Herzog, es gibt keinen Generationenkrieg. Der
Begriff verschleiert doch nur, dass es Armut in allen Generationen
gibt. Es gibt nicht die reichen Alten und die armen Jungen. Die
ungerechte und falsche Pauschalierung sollte Ihnen eigentlich fremd
sein. Tatsache ist doch, dass es immer mehr Arme gibt - und das ist der
eigentliche Skandal in der Gesellschaft, nicht ein marginale
Rentenerhöhung, die nicht mal die Inflation auch nur ansatzweise
ausgleicht. Wir wünschen uns als SoVD mehr Sachlichkeit in der Debatte
und wir erwarten von einem ehemaligen Bundespräsidenten, dass er sich
nicht an einer Hetzkampagne gegen ältere Menschen beteiligt.
Mit freundlichen Grüßen A. Bauer"
Liebe Leserinnen und Leser, Sie merken: Es gibt Kräfte, welche
gegen den Sozialabbau und seine Rechtfertigung Front machen. Überlegen
Sie genau, auf welcher Seite Sie dabei stehen.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen, aber auch nachdenklichen Sonntag.
Dr. Dr. Jan Bretschneider
Das Wort zum Sonntag vom 10.05.2008
„In vielen Kindertageseinrichtungen in Deutschland kommt die
religiöse Bildung einer Studie zu folge zu kurz. In zahlreichen
Einrichtungen hätten Kinder keine Möglichkeit, sich mit Religion
auseinanderzusetzen, erklärten die Tübinger Religionspädagogen Albert
Biesinger [evangelisch] und Friedrich Schweitzer[katholisch] bei der
Vorstellung der Untersuchung ...“
„Forscherkritik an fehlender religiöser Bildung“
ND-Abdruck einer Pressemitteilung zu christlicher Religionspädagogik vom 2. Mai 2008, S. 10.
Liebe Leserinnen und Leser,
Was für eine Schlagzeile. Das ist aber mutig, könnte man meinen:
„Forscherkritik an fehlender religiöser Bildung.“
Da sind Forscher, Wissenschaftler, sogar christliche
Religionspädagogen, die kritisieren. Und was? Bei unseren Kindern eine
zu kurze und gar fehlende religiöse Bildung. Fast hätte man sich in all
den gängigen Schlagworten verheddert, und geglaubt, „sich mit Religion
auseinanderzusetzen“ würde im Anspruch wirklich die Möglichkeit
kritischer Auseinandersetzung fordern.
Doch halt, weit gefehlt.
Hier geht es um christlichen Kult, den Kultus und Forderungen des traditionellen Kultusministeriums.
Haben Sie sich bis jetzt eigentlich schon gefragt, mit welchem Recht in
öffentlichen Bildungseinrichtungen religiöse Gemeinschaften mit eigenen
Religionspädagogen und eigenen religiösen Pädagogikkonzepten aus ihrer
Gemeinschaft heraus wirksam werden konnten? – „Kinder brauchen
Religion“ und sollen diese annehmen, das ist die Prämisse, die
Voraussetzung für solches Tun. Demokratisch und öffentlich zu
diskutieren ist da nichts, das sagen schließlich religionstheologische
Autoritäten.
„...Nur die Hälfte aller christlichen Kinder.... werden religiös
begleitet.“ – An öffentlichen Stätten! Skandal! – „. ..in mehr als
90Prozent der untersuchten Einrichtungen gebe es keine ‘muslimische
Bildung‘.“ – An öffentlichen Stätten! Skandal! – „‚Kinder brauchen
Religion‘, betonten die Wissenschaftler. Religion müsse daher in den
Kindergärten thematisiert werden. ... Integration .... Verständnis und
Toleranz ...“ – religiöses Bedrohungsszenario entschärft durch
Religionspädagogen?
Das ist zu schön, um wahr zu sein.
Doch halt, „thematisiert“, das wäre schon gut.
Wo sind eigentlich die Aufklärer in diesem Land? Gab es sie wirklich
nie? Die Weimarer Aufklärung in Thüringen nur ein Laborversuch? Was
machen eigentlich die Zweidrittel Konfessionsfreien im Land, Schlafen?
– „Kinder brauchen Religion“, also wirklich die Religion oder doch
vielleicht die Aufklärung.
Andererseits, endlich tut man mal wieder etwas für die lieben Kleinen.
Na gut, der Staat und die beiden Kirchen tun etwas Religiöses mit
Kultus. Die konfessionsfreien Elternhäuser sind da schon alle
abgeschrieben, oder?
Wie war eigentlich die Grundfrage der Philosophie? Wie ist das Verhältnis von Materie und Bewusstsein?
Wie beantworten wohl Freidenker diese Frage? Mit oder ohne Schöpfergott?
Richtig – Die Materie ist das Primäre und existiert außerhalb und
unabhängig vom menschlichen Bewusstsein und menschlicher Erkenntnis.
Materie existierte und existiert ewig in vielfältigen sich wandelnden
Materieformen. Der Mensch ist Bestandteil und Produkt der materiellen
Welt.
Richtig – Die Welt ist ihrer Natur nach erkennbar. Immer mehr wird von
der Menschheit erforscht ohne an den „Allgewaltigen Endpunkt“, das
„Alles“ zu gelangen. Das ändert nichts an der prinzipiellen
Erkennbarkeit der Welt.
Ja, Philosophie hat viel mit Weisheit, viel mit der Welt und den Ideen,
mit dem bewussten Sein zu tun. Richtig verstanden trägt
materialistische Weltanschauung sehr viel Ideelles in sich.
Ach so – Die Kirche ist in Deutschland noch immer nicht vom Staat
getrennt! Das Kircheneigene christliche Gottesbild ist
religionspädagogisch von Fall zu Fall zu formen, schon im Kindesalter.
Das Muslimische gleich mit. Wegen der Integration. Zweidrittel
konfessionsfreie Kinder, die integrieren und verbeschäftigen sich
derweil eben ersatzweise ethisch, im Ethikunterricht.
Da kommt jede noch so kindgemäß kindische Hinterfragung ungelegen.
Jüngstes Beispiel dafür ist die bundesdeutsch-ministerielle Verfolgung
eines Kinderbuches „Wo bitte geht’s zu Gott? ...“ [1], dass juristisch
als kinder- und jugendgefährdende Schrift auf den Index gesetzt werden
sollte.
Warum thematisiert das ND nicht den eigentlichen Skandal, dass Staat
und Kirche, demokratische Öffentlichkeit und christliche
Religionspädagogik noch immer nicht getrennt sind? Dass das kleine
Zweidrittel Konfessionsfreie sich „ach so friedlich unter diesen
Scheffel stellt“? Schade, wie unkritisch die Sozialistische
Tageszeitung, das ND, diese Pressemitteilung dazu noch unter
Bildungssplitter abgedruckt hat.
Liebe Leserinnen und Leser,
bewerten wir die Gedankenlosigkeit eines ND-Redakteurs nicht über,
wirklich konstruktive Kritik braucht Zeit zum Wachsen – wie unsere
Kinder im hellen Licht.
Bewahren Sie bei sich das freie Denken, geben Sie es bitte an unsere Kinder weiter und bleiben Sie kritisch.
Ich wünsche Ihnen einen guten, einen gedankenklaren Sonntag.
*Abel Niemand*
10. Mai 2008
(1) Michael Schmidt-Salomon / Helge Nyncke: Wo bitte geht’s zu Gott?
Fragte das kleine Ferkel. Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen
lassen. Alibri Verlag, Aschaffenburg, 2007. ISBN 3865690300.
Das Wort zum Sonntag vom 01. Mai 2008
Es darf nicht sein, dass jemand Gott verleugnen muss, um seine Rechte als Bürger wahrnehmen zu können. ...
Tatsächlich hat sich der Papst in den letzten Tagen in offener Kritik
an der US-Regierung eher zurückgehalten. Um so deutlicher betonte der
Papst an jeder Stelle das Recht auf Religionsfreiheit.
OTZ-Beitrag vom 18.4.2008 zum Besuch von Papst Benedikt XVI. in den USA
Liebe Leserinnen und Leser,
Freiheit ist ein hohes Gut. Die Freidenker berufen sich darauf, wenn sie das freie Denken im Namen führen.
Wie kommt ein Papst dazu, sein Gottesbekenntnis als durch die Bürgerrechte im freien Amerika bedroht zu sehen? – „Es darf nicht sein, dass jemand Gott verleugnen muss, um seine Rechte als Bürger wahrnehmen zu können.“ – Was für eine Freiheit betont er da, wenn er das „Recht auf Religionsfreiheit“ anscheinend über die „Rechte als Bürger“ gestellt sehen will und sich „in offener Kritik an der US-Regierung“ ansonsten eher zurückhält?
Benedikt XVI. ist das Oberhaupt des Vatikans, seines Kirchenstaates. Er führt den Anspruch des „allein zu verehrenden und einzigen Gott[es] der Welt“
in Bezug auf sich selbst weiter. Scheinbar stören ihn die Bürgerrechte
im stolzen und freien Amerika in diesem Anspruch. Was er als Drang nach
Freiheit artikuliert, ist aber ein Anspruch, der Mehrheit der Menschen
dieses theologiegeschichtlich klare Bekenntnis zum „einzigen Gott der Welt“ aufzwingen zu wollen.
Dieser Anspruch auf Religionsfreiheit wird gleichermaßen in Deutschland
erhoben. Hier geht es um eine Freiheit, die noch besser, weil durch die
EKD als „positive Religionsfreiheit“ proklamiert, durchzusetzen sei. (1) Entgegen der im Grundgesetz verankerten „weltanschaulichen Neutralität“ des Staates rüsten deutsche Theologen „positiv“ für ihre „Religionsfreiheit“ für die öffentlichen Schulen.
Anstatt dass konfessionell gebundene Kinder und Jugendliche auf ein
Leben als gleichberechtigte Menschen in einer freien Gesellschaft
vorbereitet werden, macht man (die EKD) sich anheischig, den eigenen
Religionsunterricht nun auch noch fächerübergreifend in den Schulen
einzubringen. Es reicht nicht mehr, dass man Konfessionsfreie in einem
dem Religionsunterricht als „Ersatzfach“ beigestellten Fach „Ethik“ einordnet, was wohl besser „Philosophie“ benannt sein sollte.
Nun soll „Religion“ fächerübergreifend zusammen mit „Naturwissenschaften“
allen gleichermaßen gelehrt werden. (2) – Welch ein Hohn für alle
Philosophie außerhalb der jeweiligen einzig wahren Konfession, dem
ökumenisch vervielfältigten Bekenntnis zu dem einen Gott, dem
Weltschöpfer und -herrscher.
Die Bürgerrechte mit Toleranz, Gewissens-, Glaubens- und
Weltanschauungsfreiheit gefährden ganz natürlich die bekenntnishaft
postulierte „positive Religionsfreiheit“ christlicher Kirchen. Denn der „Fehler im konfessionellen System“,
der hier der freien Gesellschaft gleichberechtigter Menschen begegnet,
ist der eines religiösen Systems, das Gleichberechtigung der Menschen
außerhalb der Konfession gar nicht zulässt. Also anderskonfessionelle
und mehr noch konfessionsfreie Bürgerinnen und Bürger per
Selbstdefinition aus sich heraus ausgrenzt. Ein solches – alle anderen
ausgrenzendes – Bekenntnissystem muss sich durch eine dogmenfreie,
rationale und wissenschaftlich begründete Weltsicht und –erkenntnis
überlebensgefährlich bedroht fühlen.
Dieses Konfessionssystem hat die strikte Trennung von Staat und Kirchen
sowie von Kirche und Schule – wie in der BRD überwiegend so auch in
Thüringen – bisher letztendlich zu verhindern gewusst. Doch entweder
führt ein Staat den Anspruch des „allein zu verehrenden und einzigen Gott[es] der Welt“ weiter. Das wäre dann die „christliche Diktatur“ und mithin ein „christlicher Gottesstaat“. Oder der Staat ist entsprechend den Bürgerrechten konsequent „weltanschaulich neutral“ und vertritt die Interessen aller seiner Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen.
Liebe Leserinnen und Leser, seien Sie wachsam. Opfern Sie nicht Ihre
eigene Weltsicht einem falsch verstandenen Mitleid, sondern üben Sie
weiter dogmenfrei, rational und wissenschaftlich Kritik an den
offensichtlichen Missständen in der Gesellschaft. Die Rechte der
Bürger, Ihre Bürgerrechte, sind ein schützenswertes Gut. Ich wünsche
Ihnen einen guten und selbstbesinnlichen Sonntag.
*Abel Niemand*
(1) vgl. Denkschrift der EKD zum Religionsunterricht „Identität
und Verständigung. Standort und Perspektiven des Religionsunterrichts
in der Pluralität“, 1994
(2) vgl. EKD „Weltentstehung, Evolutionstheorie
und Schöpfungsglaube in der Schule. Orientierungshilfe des Rates der
Evangelischen Kirche in Deutschland“, EKD-Text 94/2008 vom 1. April 2008
Das Wort zum Sonntag vom 26. April 2008
"Jetzt
scheint sich das gesellschaftliche Verständnis von Opfern zu wandeln. Sie
scheinen an der eigenen Schwäche selbst schuld zu sein, das entlastet die Täter
und lässt sie irgendwie aus dem Blick entschwinden."
Pastorin
Susanne Sydow in "Thüringer Allgemeine" vom 19.04.2008
Liebe
Leserinnen und Leser,
nach
meinem Verständnis ist ein Opfer jemand, ein Mensch, manchmal auch ein Tier,
der oder das Hilfe, Beistand und auch nur Mitgefühl benötigt. Es bedarf wohl
keiner Frage: Unfallopfern auf der Straße wird geholfen. Ist jemand Opfer eines
Missbrauchs geworden, wird der überführte Täter bestraft. Unsere Gesetze
stellen auch unterlassene Hilfeleistung unter Strafe. Jedenfalls war das bisher
so.
Nun
schreibt eine Pastorin die oben zitierten Sätze. Das Schlimme daran ist, dass
sie recht hat. In dieser Gesellschaft haben nicht die Opfer, sondern die Täter
das Sagen, viel zu sehr und überall. Auf dem Arbeitsmarkt heißt es: Du bist
selbst schuld an deiner Arbeitslosigkeit. Wer Arbeit sucht, der findet auch
welche. Kein Wort über die Täter, die Arbeitsplätze vernichten oder in
Billiglohnländer verlagern. Fehlte nur noch der Hinweis: Bald ist 1. Mai, der
Kampftag der Werktätigen, da könnt ihr für eure Arbeit auf die Straße gehen.
Der Kranke ist selbst schuld, dass er krank ist, weshalb hat er nicht gesund
gelebt. Kein Wort über die Täter, die ihn durch Arbeitshetze und Mobbing daran
gehindert haben. Der vom Unfall Geschädigte im Straßenverkehr ist selbst schuld,
wäre er doch mit dem Auto statt dem Fahrrad unterwegs gewesen, das hätte ihn
besser geschützt. Der an der Bushaltestelle Zusammengeschlage ist selbst
schuld; er hätte sich ja verteidigen können. Fasst man die Täter - wenn
überhaupt - kommen sie ungeschoren oder mit geringer Strafe davon.
Wie
kommt eine solche Auffassung zustande?
Die
Erklärung der Pastorin und die von uns Freidenkern liegt gar nicht so weit
auseinander. Die der Pastorin: "Im christlichen Verständnis wurde Jesus
Christus Opfer der Mächtigen seiner Zeit. Und auch wenn sein Opfertod als ein
freiwilliger und bewusster verstanden wurde, war doch nicht er schuld an dem
Verbrechen, das an ihm verübt wurde."
Die
unsrige und damit auch die meinige: Es gibt immer Täter, die ihre Stärke, ihre
Macht, ausnutzen und missbrauchen. Es liegt jedoch in jedem Fall an
der jeweiligen Gesellschaft, inwieweit sie das zulässt. Solange namhafte
Politiker und Wirtschaftsbosse ungehindert Straftaten begehen können, solange
Neonazis ungestraft Täter in Opfer verwandeln dürfen und der Staat seine Bürger
pauschal zu Tatverdächtigen abstempelt, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn
sich der Grundsatz "homo homini lupus" - der Mensch ist des Menschen
Wolf - im Denken und Handeln der Menschen weiter ausbreitet.
Liebe
Leserinnen und Leser, seien sie wachsam, dass Sie kein Opfer werden oder dass
sie jemand vom Opfer in einen Täter verwandelt. Ich wünsche Ihnen einen
angenehmen, aber auch nachdenklichen Sonntag.
Dr.
Dr. Jan Bretschneider
Das Wort zum Sonntag vom 19. April 2008
Denkst du schon... oder glaubst du noch?
Liebe Leserin, lieber Leser,
diesen Spruch fand ich dieser Tage auf der Internetpräsenz
thüringischer Landtagsabgeordneter der LINKEN... Eine Fragestellung an
die Allgemeinheit, die uns Freidenkern aus dem Herzen gesprochen ist.
Aber Sprüche sind nicht alles, entscheidend ist die Realität. Und da
sieht es leider derzeit oftmals anders aus. Ich denke da nur an eine
Gruppe von Politikern, die ich Elfenbeinturm-LINKE nenne. Sie stimmen
mit uns überein, was die Trennung von Staat und Kirche angeht, sie
benennen wie wir das reaktionäre in den Zielen z.B. des Papsttums oder
der Mullah-Regime.
Doch wenn es um ein anderes obskures religiöses Regime - das
feudaltheokratische des "Dalai Lama" - geht, dann setzt auch bei den
Elfenbeintum-LINKEN das Denken ebenso aus wie bei den Esoterikern. Das
einst in Tibet, einem Vizekönigreich des Chinesischen Kaiserreiches,
nach der bürgerlichen Revolution eine Provinz der Republik China bzw.
ein Autonomes Gebiet der Volksrepublik China, herrschende Regime war
kein Paradies auf Erden und es verkörperte auch nicht DEN Buddhismus!
Nein, das Lama-Regime steht nur für eine kleine Sekte des Buddhismus,
die ihre Macht ideell auf verengte religiöse Dogmen und materiell auf
Sklaverei und Leibeigenschaft aufbaute. Die Freiheit, die der Dalai
Lama und seine Exil-Tibeter fordern, ist die Wiederherstellung ihrer
ganz eigennützigen Freiheit, über Menschen herrschen zu können. Es ist
nicht die Freiheit der durch die Zentralregierung aus der
Leibeigenschaft Befreiten gemeint, deren persönliche und
gesellschaftliche Freiheit diese "Lichtgestalten" ein Dorn im Auge ist.
Wie auch dem "Westen" jedwede Alternative zur feudalen oder
kapitalistischen Ausbeutung des Menschen durch den Menschen das größte
Verbrechen ist...
Elfenbeinturm-LINKE stimmen mit uns überein, was die von der CIA und
anderen Diensten erfundenen "Beweise" zur Begründung der
US-Aggressionen gegen Vietnam, Grenada, Jugoslawien, Afghanistan, Irak
etc. betrifft. Man denke nur an die "Brutkasten-Story" zur begründung
des ersten Irak-Krieges...
Aber unkritisch, bei Ausschaltung ihres Denkens, werden sie zu
Gläubigen, wenn es um "Beweise" geht, die eine sogenannte tibetische
"Exilregierung", obskure antikommunistische Organisationen wie die
"Reporter ohne Grenzen" oder die "Gesellschaft zum Schutz bedrohter
Völker" verbreiten mit Behauptungen über Völkermord an den Tibetern und
Annexion Tibets.
Ach, würden sich diese Gutmenschen doch auch intensiv um
tatsächliche Unterdrückungen der Basken oder Kurden in NATO-Staaten
kümmern.
Und was nun den Olympia-Boykott betrifft, zu dem diese Gutmenschen
aufrufen, anstacheln, aufhetzen, da habe ich in einem Leserbrief in der
"Jungen Welt" eine gar treffliche Antwort gefunden, die ich Ihnen als
das eigentliche Wort zum Sonntag anempfehlen möchte:
"Vorschlag für eine Olympia-Resolution
Anläßlich der aktuellen
Tibet-Debatten im EU-Parlament hat jW-Leserin Elisabeth Hoffmann einen
Vorschlag für eine Olympia-Resolution ausgearbeitet:
Die Vergabe der Olympischen Spiele 2016 an Chicago soll nur erfolgen, wenn die USA folgende Bedingungen erfüllen:
1. Abschaffung der Todesstrafe
2. Einstellen aller Kriegshandlungen
3. Abzug ihres Militärs aus allen von den USA besetzten Gebieten
4. Entlassung der US-Kolonie Puerto Rico in die Unabhängigkeit
5. Rückgabe des Staates Hawaii an seine Ureinwohner und Wiedereinführung der hawaiianischen Monarchie
6. Entlassung aller politischen Gefangenen in den USA und den von ihnen
betriebenen Gefängnissen in anderen Ländern, sowie insbesondere
Entschädigungszahlungen der seit mehreren Jahrzehnten inhaftierten
Gefangenen der Black Panther Party, des American Indian Movement und
der puertoricanischen Befreiungsbewegung
7. Erfüllung der Verträge mit den amerikanischen Ureinwohnern von 1870
8. Einhaltung der Menschenrechte
9. Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen mit Kuba sowie die Entlassung der in den USA inhaftierten Kubaner
10. Verhandlungen auf gleicher Augenhöhe des/der amerikanischen
Präsidenten/-in mit Vertretern der Taliban, der irakischen Milizen,
Hisbollah, Hamas, FARC und aller anderen Gruppierungen und Parteien,
gegen die die USA Krieg führen
11. Entschädigungszahlungen an Chile, Guatemala, Nicaragua, Nordkorea,
Vietnam, Puerto Rico, Haiti, Panama, Sudan, Serbien und Somalia.
Sollten die USA diese Forderungen nicht erfüllen und dennoch die Zusage
zu den Olympischen Spielen 2016 erhalten, werden all die Aktivisten,
die nun schon im Vorfeld der Spiele in Peking ihre Fähigkeit im
Sabotieren der olympischen Idee unter Beweis gestellt haben,
dahingehend aufgefordert, das gleiche wieder tun. Finanziert werden
sollen diese Kräfte dann durch die europäischen Geheimdienste.
Sollten die Spiele 2016 jedoch an Madrid gehen, möge das EU-Parlament den spanischen Staat dazu auffordern:
– das Baskenland in die Unabhängigkeit zu entlassen
– alle baskischen Gefangenen freizulassen
– Folter in spanischen Gefängnissen zu verbieten
etc. etc. ..."
Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Sonntag und bin mir sicher, daß
Sie sich nicht das Denken durch kapitalhörige Politik und Medien
vernebeln lassen,
Ihr Siegfried R. Krebs
Das Wort zum Sonntag vom 28. März 2008
Demokratie
Demokratie funktioniert nie,
wie gedacht wird sie verlacht
von Geld und Macht.
Schon an ihrer Wiege
war sie Lüge.
Dem Plebejer bracht sie Kriege
und den Sklaven
Drakons Strafen.
An ihrem bürgerlichen Ende
bedarf es dringend einer Wende,
damit sie's schafft
mit Volkes Kraft
zur Volksherrschaft.
B. Henze (gefunden in "Neues Deutschland" vom 06.10.2006)
Liebe Leserinnen und Leser,
ja, es ist so eine Sache mit der Demokratie, der Volksherrschaft, wie
die einfachste Übersetzung aus dem Griechischen lautet. Das Volk soll
herrschen, gut und richtig, aber worüber oder über wen? Über all die,
welche nicht zum Volk gehören. Aber wer gehört nicht zum Volk,
Pflanzen, Tiere, die Natur, die Technik? Sie sehen, es ist nicht so
einfach mit der Demokratie. Herrschaft bedeutet nun einmal immer Macht,
die ausgeübt wird, und ist immer an die Frage gekoppelt: Herrschaft für
wen und gegen wen?So weit die Fragen und die Theorie. Aber wie sieht
die Praxis beispielsweise in unserem schönen Deutschland aus?
Allethalben loben Politiker unsere Demokratie. Aber was ist das für
eine Demokratie, eine kapitalistische, eine soziale, oder was für eine?
Dass es nicht die Demokratie schlechthin gibt, zeigt schon das zitierte
Gedicht. Ich neige zu der Meinung, wir leben mit einer
Parteiendemokratie, welche zu einer Oligarchie mutiert ist. "Oligos"
kommt auch aus dem Griechischen und heißt "wenig".
Wenige herrschen über viele?! Ich höre schon lautstarke Proteste, aber
es ist doch so: Parteien und ihre Führenden haben neben den
Imperialisten in der Bundesrepublik das Sagen. Man muss sich
vorstellen, es gibt in unserem Staat nur etwas über eine Million
Menschen, die irgendeiner Partei angehören. Und diese benennen - ganz
demokratisch selbstverständlich, siehe Thüringer SPD - ihre Kandidaten,
die das Volk wählen darf. Aber 5 % der Wähler müssen es mindestens
sein. Das führt dann dazu, dass Vertreter von zwei bis fünf Parteien
das politische Sagen haben.
Und wo bleibt der Volkswille derjenigen, die eine andere Partei gewählt
haben? Und warum dürfen nur Parteiauserwählte kandidieren und keine
Einzelpersonen? Das sind so schwere Fragen für die Demokratie.Unsere
bundesrepublikanische Demokratie erscheint mitunter so, als wenn sie
Angst vor sich selbst hat.
Das Stichwort heißt Volksbegehren. Eigentlich müsste so etwas in einer
Volksherrschaft überflüssig sein, aber es geschieht offensichtlich
nicht immer, was des Volkes Wille ist. Damit nun das Volk nicht zu viel
begehrt, werden die Hürden dafür hoch gestellt. In Thüringen müssen je
nach Größe der Orte zwischen 13 und 17 % der Bürger ein Begehren
unterschreiben, fast doppelt so viele wie im Nachbarland Bayern. Und
unsere "Volksvertreter" achten darauf, dass die Bedingungen für das
Unterschreiben möglichst kompliziert sind. Hinzu kommt, dass mit dem
Begehren nur beantragt wird, dass sich die Regierenden mit dem Anliegen
beschäftigen; eine Lösung ist damit noch keineswegs in Sicht.
Liebe Leserinnen und Leser, lassen wir es genug sein. Es ist
offensichtlich nicht so weit her mit unserer Demokratie. Sie werden
fragen: Was soll ich als Bürger machen, resignieren, Wahlen
boykottieren? Ich sage, das ist nicht die Lösung. Je weniger Bürger
ihrem politischen Willen Ausdruck verleihen, desto weniger Demokratie
werden wir haben. Und den Gefallen sollten Sie den Partei-Oligarchen
nicht tun.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen, aber auch nachdenklichen Sonntag.
Dr. Dr. Jan Bretschneider
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